Sonntag, 30. September 2012

Reif für die Insel

Es ist schon wieder geraume Zeit her, dass wir uns für einen Tag von Hong Kong verabschiedet haben und mit einer beängstigenden Fähre auf eine kleine vorgelagerte Insel namens Cheung Chau gefahren sind.
Wenn man die Fähre verlässt, ist das erste, was man sieht, das goldene MacDonalds-M. Das verfolgt mich hier geradezu, es ist einfach überall, jedoch sind die Preise bei McD auch unschlagbar und die Toiletten meistens akzeptabel, also meist ein guter Deal.
Eigentlich wollten wir einen entspannten Tag am Strand verbringen, aber auf wundersame Weise sind wir an allen im Reiseführer erwähnten Stränden vorbeigelaufen und waren daher mehrere Stunden in der Wildnis wandern. Denn anders als Lamma Island ist Cheung Chau irgendwie noch ruhiger und entspannter. Es war das erste Mal, dass ich streunende Hunde gesehen habe - sie haben selbst mir als Hundeliebhaberin ein wenig Angst eingejagt. Nur gut, dass ich gegen Tollwut geimpft bin. Auch nichts für Empfindliche und Zartbesaitete sind die handgroßen Spinnen, die hier überall in den Bäumen über dem hiking trail ihre riesigen Netze spannen und mir den einen oder anderen hysterischen Schrei entlockt haben, was zur allgemeinen Erheiterung meiner Begleitung Jakob und den den Weg kehrenden Frauen beitrug. Den sehr überwucherten Weg zu einer ehemaligen Piratenbucht konnte ich einfach nicht entlang gehen, aus Angst, dass sich diese riesigen Spinnen über mir abseilen.
Davon abgesehen sind die Tagesausflüge ins Grüne durchaus eine willkommene Erholung vom niemals stillstehenden und hektischen Hong Kong.






























Sonntag, 16. September 2012

Kleine Zeichen


Als Ergänzung zu vorherigem Post habe ich auf dem Campus ein paar Dinge gesehen, die die Uni als einen relativ freien und kritischen Ort erscheinen lassen.

Die Studenten haben sich hier auf dem Hauptplatz der Uni getroffen, um von dort aus an die Chinese University Hong Kong zur Demo gegen die national education zu fahren. Meiner Meinung nach könnten es mehr Leute sein, aber sie waren dafür umso lauter. Leider weiß ich nicht, was auf den Bannern steht.


Politische Statements auf dem Campus: Eine Skulptur zur Erinnerung an das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Sie steht an einer relativ zentralen Stelle und ist mir trotzdem eher durch Zufall aufgefallen.

"Give me liberty or give me death"
Es war für mich beinahe eine Erleichterung, dieses Kunstwerk zu entdecken, um dergestalt das Gefühl relativer Freiheit und Toleranz in Hong Kong bewahren zu können.


Montag, 10. September 2012

Machtdemonstrationen

Am Sonntag entschlossen wir uns relativ spontan dazu, nach Shenzhen zu fahren, die direkt an die Sonderverwaltungszone Hong Kong angrenzende Sonderwirtschaftszone auf chinesischer Seite. Davon abgesehen, dass unsere Planung sehr schlecht war und der Trip sich rational gesehen überhaupt nicht gelohnt hat, war es dennoch ein einprägsames Erlebnis. Wir fuhren mit Metro und Bus an die Ausreisestelle Hong Kongs an der Grenze, fuhren dann mit dem Bus durch ein Niemandsland zwischen Hong Kong und China und kamen dann an der chinesischen Immigrationsstelle an. Laut Lonely Planet sollte das Ausstellen eines 5-Tage-Visums für Shenzhen problemlos möglich sein. Tatsächlich verbrachten wir fast eine Stunde damit, irgendwelche Zettel auszufüllen und ziemlich viel Geld zu zahlen. In unserer Gruppe war auch eine Französin, die direkt wieder nach Hong Kong zurück geschickt wurde, weil Frankreich offensichtlich unterschiedliche Ansichten bezüglich des Status Tibets hat als die Regierung in Peking. Die Einreisehalle mit all den grimmig dreinblickenden Zollbeamten und Polizisten und den beängstigenden Verbotsschildern überall (keine Fotos erlaubt...) wurde in diesem Moment noch befremdlicher für mich, da es eine so unmittelbare Auswirkung politischer Konflikte darstellte. Die ohnehin schon willkürlich erscheinenden Einreisemodalitäten (warum muss ein Engländer den doppelten Preis für das Visum bezahlen wie ein Deutscher?) gaben mir von Beginn an das Gefühl unheimlicher Hilflosigkeit und Unfreiheit. Mit dem Taxi fuhren wir dann endlich in die Stadt und wollten dort ein wenig einkaufen, da die 13-Millionen-Stadt Shenzhen den Ruf eines wahren Einkaufsparadieses genießt. Augenblicklich wurden die Unterschiede zu Hong Kong deutlich: viel mehr Platz, breitere Straßen, viel weniger Hochhäuser, keine englischen Schilder mehr. Ohne die Hilfe eines locals in unserer Gruppe wären wir schichtweg aufgeschmissen gewesen, da wirklich niemand in dieser Stadt auch nur annähernd Englisch sprechen konnte. Was aber auch anders war als in Hong Kong: mehr Dreck, mehr Gestank, mehr Lärm, mehr Menschen. Ich war völlig überwältigt und war so froh über die Hilfe des Hong Kongers, der uns zuerst einmal etwas zu essen besorgte und später ein sehr sehr gute Restaurant für uns fand, wo wir ein unglaublich gutes Hotpot aßen (für einen Spottpreis).
In den völlig überfüllten Straßen des Marktes versuchten wir also, diverse Schnäppchen zu finden. Ich habe leider nichts gefunden, denn das, was bei uns in den Billigläden verkauft wird, kann man hier wie Sand am Meer auf der Straße kaufen. Eben made in China. Aber die Erfahrung, durch enge, dreckige und stinkende Katakomben zu laufen und ständig bedrängt zu werden, etwas zu kaufen, war wirklich neu für mich. Diese Markthalle und die überfüllte Fußgängerzone standen in starkem Kontrast zu der großen Shoppingmall direkt daneben, die mit europäischen Preisen und hässlichen Kleidern auch nicht wirklich überzeugen konnte. Das eigentlich Bestürzende ist, dass Shenzhen neben Shanghai die reichste und wirtschaftlich am schnellsten wachsende Stadt Chinas ist und ich dennoch das Gefühl hatte, von Europa ganz ganz weit entfernt zu sein. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es in den weniger prosperierenden Gegenden Chinas aussieht.
Eingang zu den "Einkaufskatakomben"


 Und mitten im Gewusel ein Tempel, zwischen McDonalds und KFC.



Als wir die Grenze zu Hong Kong wieder passierten und den Ausreisestempel im Reisepass hatten, war ich sonderbar erleichtert, dabei war das leckere Abendessen eigentlich ein schöner Ausklang des Tages. Das Land präsentiert sich so mächtig und selbstbewusst, dass mir ein Schauer über den Rücken läuft beim Gedanken daran, was in diesem Land alles passiert. Dies bereitete mir wirklich großes Unbehagen, obwohl ich nur wenige Studen dort war.
Heute findet eine große Demonstration an der Chinese University in Hong Kong gegen die geplante Einführung des Patriotismus-Unterrichts in den Hong Konger Sekundärschulen statt. Ich hätte nicht erwartet, dass ich hier so unmittelbar mit den politischen Machtquerelen zwischen Peking und Hong Kong in Berührung komme, finde das aber sehr spannend. Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich: manche Studenten sind Feuer und Flamme und wollen unbedingt demonstrieren, andere sind sonderbar desinteressiert (wie beispielsweise meine Mitbewohnerin, die mir sagte, sie verstünde nicht, warum sich die Studenten so aufregen, es gehe ja nicht um die Uni, sondern um die Schulen) und wollen damit überhaupt nichts zu tun haben. Ähnlich steht es auch mit der Wahl des legislative councils, die am Sonntag stattfand: niemand glaubt, dass das gewählte Parlament ernsthaft freie Entscheidungen treffen kann, egal welche Partei gewählt wird. Es scheint, als bereite sich die Stadt langsam aber sicher auf die beschlossene Wiedereingliederung an China vor. Die vielen kritischen Stimmen sind zwar da und auch vernehmbar, aber keineswegs konsensfähig und ohne politische Durchschlagskraft. Schließlich habe ich mich doch dazu entschieden, nicht zu der Demonstration zu gehen, wer weiß, wie das enden würde. Gut finde ich, dass die Uni für heute die Anwesenheitspflicht in den Kursen aufgehoben hat, so dass die Studenten beim Demonstrieren kein schlechtes Gewissen haben müssen.

Sonntag, 9. September 2012

Sky 100: Dem Himmel so nah

Trotz leider nicht gerade idealem Wetter ließen wir es uns nicht nehmen, im Sky 100, einer Aussichtsplattform im 100. Stock des mit 480 m höchsten Gebäudes Hong Kongs, dem International Commerce Centers (ICC), den Blick über Hong Kong zu genießen. Wolken und Smog sind hier leider kaum wegzudenken, und die Glasscheiben haben auf den meisten Bildern Reflektionen erzeugt, aber ein paar brauchbare Bilder sind doch dabei herausgekommen. Der Ausblick ist wirklich atemberaubend und surreal; auf den Bilder lässt sich dieser Eindruck nur schwer transportieren.